Wir alle schieben den juckenden roten Ring um den Bauchnabel auf das Waschmittel, dabei sitzt die Ursache wenige Zentimeter darüber

Der Bauchnabel juckt seit Tagen, die Haut drumherum ist gerötet, leicht schuppig, manchmal nässt sie sogar ein wenig. Die erste Reaktion der meisten: das Waschmittel wechseln, vielleicht noch die Weichspüler-Dosis reduzieren. Und trotzdem bleibt der Ausschlag. Kein Zufall, denn die eigentliche Ursache sitzt nicht im Wäscheschrank, sondern wenige Zentimeter über dem Nabel, dort, wo der metallene Knopf der Jeans direkt auf der Haut liegt.

Was viele nicht wissen: Genau dieser Knopf, manchmal auch die Gürtelschnalle knapp darüber, ist in den allermeisten Fällen der eigentliche Übeltäter. Eine Kontaktallergie bildet sich zum Beispiel vermehrt auf dem Bauch in Höhe des Jeansknopfes, da viele Menschen auf Nickel allergisch reagieren, welches in den meisten Jeansknöpfen enthalten ist. Das Waschmittel gerät also völlig zu Unrecht in Verdacht, während der wahre Auslöser seelenruhig am Hosenbund sitzt und bei jeder Bewegung ein kleines bisschen Metall an die Haut abgibt.

Das Wichtigste

  • Die Symptome beginnen erst 24-72 Stunden nach dem Kontakt – darum verdächtigt niemand den Knopf
  • Schweiß im Sommer löst Nickel aus Metallknöpfen heraus – ausgerechnet wenn man am wenigsten Kleidung trägt
  • Eine einfache Stoffschicht zwischen Knopf und Haut kann Beschwerden sofort lindern

Warum niemand den Knopf verdächtigt

Das Tückische an dieser Geschichte: Der zeitliche Abstand zwischen Kontakt und Reaktion macht die Spurensuche fast unmöglich. Das mag daran liegen, dass die Nickelallergie eine Spättypallergie ist und die Symptome 24 bis 72 Stunden nach dem Kontakt auftreten. Wer denkt schon zwei, drei Tage zurück an genau die eine Hose, die er am Montag getragen hat? Schließlich verdächtigt kaum jemand den Hosenknopf seiner Jeans, wenn sich Tage danach am Bauch Juckreiz und Rötung einstellen.

Dahinter steckt ein immunologischer Mechanismus, der ziemlich fasziniert, wenn man ihn einmal verstanden hat. Es handelt sich um eine sogenannte Spättyp-Reaktion, bei der nicht die schnellen Antikörper reagieren, sondern spezialisierte Immunzellen. Diese Verzögerung wird von sogenannten Helferzellen (medizinischer Begriff: T-Lymphozyten) verursacht. Helferzellen spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem und befinden sich in den Lymphknoten und den inneren Hautschichten. Erst wenn diese Zellen aktiv werden, entsteht die sichtbare Entzündung. Ein Prozess, der Zeit braucht, und genau diese Verzögerung sorgt dafür, dass die Ursache im Alltag komplett übersehen wird.

Warum ausgerechnet der Sommer die Beschwerden verschärft, hat einen ganz banalen Grund: Schweiß. Nickelverbindungen können wasserlöslich sein, das begründet, warum Nickelallergien besonders häufig im Sommer auftreten. Schweiß kann auf Grund seiner physikalischen Eigenschaften Nickel aus Metallknöpfen, Uhren oder auch Gürtelschnallen herauslösen. Je wärmer der Tag, je enger die Jeans, desto mehr Nickel wandert also von Knopf zu Haut. Eine Kontraintuition, die kaum jemand auf dem Schirm hat: Ausgerechnet die Jahreszeit, in der man am wenigsten Kleidungsschichten trägt, macht die Haut anfälliger für diese eine Reaktion.

Nickel ist häufiger als man denkt

Nickelallergie zählt keineswegs zu den exotischen Randerscheinungen. Ganz im Gegenteil: Sie ist die mit Abstand verbreitetste Kontaktallergie überhaupt. Eine umfangreiche Patientenbefragung des Robert Koch-Instituts zwischen 2008 und 2011 ergab, dass 12,7% der Frauen in Deutschland angaben, einmal eine Kontaktallergiediagnose erhalten zu haben. Bei Männern waren es 3,4%. Bei Kindern hatten 5,6% ein Kontaktekzem. Frauen trifft es also deutlich häufiger, was vermutlich mit dem generell intensiveren Kontakt zu Modeschmuck, Piercings und eng anliegender Kleidung zusammenhängt.

Der Bauchnabel ist dabei keineswegs die einzige Problemzone, aber eine der klassischsten. Die Beschwerden einer Nickelallergie beschränken sich auf die Hautgegend, die direkt mit dem Allergen in Berührung kommt, so sind vor allem Finger, Handflächen, Bauchnabel, Ohren und die Handgelenke betroffen. Wer also zusätzlich mit juckenden Ohrläppchen unter dem Lieblingsschmuckstück oder einem Ausschlag unterm Uhrarmband kämpft, sollte die Puzzleteile zusammensetzen. Denn wenn sich mehrere dieser Stellen gleichzeitig melden, spricht wenig für Zufall und viel für eine echte Kontaktallergie.

Bleibt die Belastung bestehen, kann aus dem anfangs harmlosen Jucken ein handfestes Problem werden. Wird die Jeans weiterhin getragen, können sich die noch relativ harmlosen Beschwerden zu einem chronischen Ekzem entwickeln, dabei verdickt und verhornt die Haut, auch die natürliche Barriere wird beschädigt, was die betroffene Stelle für Bakterien und andere Allergene anfällig macht. Ein Grund mehr, der Sache frühzeitig auf den Grund zu gehen, statt monatelang das Waschmittel zu wechseln, ohne jemals Besserung zu spüren.

Was wirklich hilft

Die gute Nachricht: Sobald der eigentliche Auslöser feststeht, lässt sich die Situation meist mit erstaunlich einfachen Mitteln entschärfen. Sobald der Kontakt mit nickelhaltigen Gegenständen unterbunden wird, klingen die Beschwerden ab. Ein Stück Stoff, Klebeband oder sogar transparenter Nagellack zwischen Knopf und Haut reicht in vielen Fällen schon aus, um den direkten Kontakt zu unterbrechen, ganz ohne auf die Lieblingsjeans verzichten zu müssen.

Für die akute Phase, wenn die Haut bereits gerötet und juckend ist, empfehlen Dermatologinnen und Dermatologen milde, kurzfristig anzuwendende Cremes. Sollten allergische Symptome wie Juckreiz, Rötung oder Schwellung auftreten, können diese mit einer niedrig dosierten Hydrocortison Creme behandelt werden. Wichtig dabei: solche Präparate sind für den kurzfristigen Einsatz gedacht, nicht für die Dauerlösung. Wer öfter betroffen ist, sollte langfristig auf nickelfreie Accessoires setzen, mittlerweile gibt es Knöpfe, Schnallen und Schmuckstücke, die explizit als nickelfrei gekennzeichnet sind.

Bleibt die Frage, wie viele Menschen wohl gerade in diesem Moment ihre Waschmaschine reinigen, das Weichspülerfach wechseln oder ein neues, angeblich hautfreundliches Waschmittel testen, während der wahre Grund ihres Juckreizes ganz entspannt an ihrem Hosenbund glänzt. Vielleicht lohnt sich beim nächsten Mal ein Blick nach oben, bevor man den nächsten Wäschekorb durchforstet.

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