Wir alle stellen uns bei Kälte einen zusätzlichen Elektroheizer ins Zimmer, dabei holt dieses Gerät dieselbe Wärme mit einem Drittel Strom

Der Heizlüfter surrt, die Spirale glüht orange, und nach zehn Minuten ist es im Zimmer zwar wärmer, aber der Stromzähler dreht sich, als hätte man gerade den Backofen angeworfen. Genau dieses Bild kennt fast jeder, der im Winter schnell ein einzelnes Zimmer aufheizen will, ohne die ganze Heizungsanlage hochzufahren. Dabei existiert längst ein Gerät, das dieselbe Wärme mit einem Bruchteil des Stroms erzeugt: die mobile Split-Klimaanlage mit Heizfunktion, technisch gesehen eine Luft-Luft-Wärmepumpe.

Das Wichtigste

  • Eine versteckte Heizfunktion schlummert in vielen Klimaanlagen – doch wie effizient ist sie wirklich?
  • Wärmepumpen-Heizung versus klassischer Heizlüfter: Wo sind die physikalischen Grenzen?
  • Amortisiert sich die teurere Anschaffung tatsächlich – oder ist es nur für spezielle Fälle sinnvoll?

Warum ein Heizlüfter Strom verschwendet, den eine Wärmepumpe gar nicht erst braucht

Ein klassischer Heizlüfter arbeitet nach dem Prinzip des elektrischen Widerstands, physikalisch simpel, aber ineffizient. Ein konventioneller Heizlüfter erzeugt aus 1 kWh Strom exakt 1 kWh Wärme. Mehr geht nicht, das ist die Grenze der Technik. Eine Wärmepumpe dagegen holt sich einen Teil der benötigten Energie kostenlos aus der Umgebungsluft und muss nur die Differenz mit Strom auffüllen. Wärmepumpen erzeugen aus dem Strom, der sie antreibt, das Drei- bis Fünffache an Heizwärme.

Genau dieses Prinzip steckt in jeder Klimaanlage, auch in den mobilen Split-Geräten, die eigentlich fürs sommerliche Kühlen gekauft werden. Deutlich mehr Wärme aus dem eingesetzten Strom erzeugen Wärmepumpen, und eine solche steckt in jeder Klimaanlage, weshalb sich die fürs Kühlen angeschaffte mobile Split-Klimaanlage in der kalten Jahreszeit auch als Heizgerät nutzen lässt. Die Hersteller haben das längst erkannt: solche Heizmodi werden meist direkt mit eingebaut, und bei fest installierten Split-Klimaanlagen ist die doppelte Nutzung ohnehin längst gängige Praxis.

Konkret bedeutet das für die Stromrechnung: produziert eine Wärmepumpe-Heizlösung das 3-4fache an Wärmeenergie, wodurch bei gleichem Wärmebedarf der Stromverbrauch um 70 bis 75 Prozent sinkt. Eine andere Berechnung kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: eine effiziente Wärmepumpe muss nur ein Viertel der Wärmeenergie durch Strom erzeugen und verbraucht bei selbem Heizbedarf entsprechend deutlich weniger. Ein Drittel des Stroms für dieselbe Wärme, das ist also keine Werbebehauptung, sondern schlicht Thermodynamik.

So funktioniert das Heizen mit der Klimaanlage im Detail

Technisch dreht das Gerät im Winter einfach den Prozess um, den es im Sommer zum Kühlen nutzt. Reversible Klimaanlagen entziehen im Sommer dem Innenraum die Wärme und führen sie nach außen ab, im Winter kehrt sich der Prozess um, und die Klimaanlage gewinnt dann Wärme aus der Außenluft und überträgt sie in den Innenraum. Selbst bei kalten Außentemperaturen steckt in der Luft noch genug Energie, die sich per Kältemittelkreislauf konzentrieren und ins Zimmer transportieren lässt. Klingt fast zu simpel, funktioniert aber seit Jahren zuverlässig, auch bei fest installierten Klimaanlagen, die längst als Heizsysteme zertifiziert sind.

Die Effizienz solcher Geräte wird über die Jahresarbeitszahl (JAZ) oder den saisonalen Wert SCOP angegeben. Die Jahresarbeitszahl gibt die Effizienz einer Wärmepumpe an und liegt je nach Technologie zwischen 4 und 6, das bedeutet: man muss 1 Teil Energie aufwenden, um 4 bis 6 Teile Wärme zu erhalten. Hochwertige Split-Geräte erreichen ähnliche Werte: je nach Energieeffizienzklasse erreichen hochwertige Modelle saisonale Leistungszahlen von 4,0 und mehr. Wer bisher nur die Kühlfunktion seiner Klimaanlage kennt, lässt damit im Winter tatsächlich Potenzial ungenutzt liegen. Franchement, das ist der Teil der Geschichte, den kaum jemand auf dem Zettel hat.

Wo die Technik an ihre Grenzen stößt

Ganz ohne Einschränkung funktioniert das Prinzip allerdings nicht. Bei echtem Dauerfrost verliert jede Luft-Luft-Wärmepumpe an Schlagkraft, weil weniger Wärmeenergie in der Außenluft steckt. Sinkt die Außentemperatur stark unter den Gefrierpunkt, reduziert sich die Effizienz des Geräts, der Wärmepumpenprozess stößt in solchen Fällen an physikalische Grenzen, weshalb sich für Regionen mit langanhaltenden Frostperioden eine zusätzliche Heizquelle empfiehlt. Für die klassische Übergangszeit im Herbst oder das erste Frühjahrsfrösteln reicht die Leistung dagegen meist völlig aus.

Ein zweiter Punkt betrifft die reinen Monoblock-Geräte ohne Außeneinheit, die über einen Abluftschlauch am Fenster arbeiten. Ihre Heizleistung ist in der Regel zu gering, und die offenen Fensterspalte für den Ablaufschlauch senken die Effizienz, weshalb ein Kompromiss aus Leistung und Mobilität die mobilen Split-Klimaanlagen darstellen. Genau diese Split-Variante, mit einer kleinen Außeneinheit, die ans Fenster oder auf den Balkon gehängt wird, ist der eigentliche Geheimtipp: kompakt genug für Mietwohnungen, effizient genug, um dem klassischen Heizlüfter tatsächlich Konkurrenz zu machen.

Lohnt sich der Umstieg wirklich?

Bei der Anschaffung schlägt so ein Gerät naturgemäß stärker zu Buche als ein simpler Heizlüfter für kleines Geld. Split-Klimageräte mit Heizfunktion kosten 800 bis 1.500 Euro pro Inneneinheit, amortisieren sich durch die deutlich höhere Effizienz gegenüber konventionellen Heizlüftern aber bereits nach 3 bis 5 Jahren. Wer regelmäßig ein Arbeitszimmer, ein Gästezimmer oder eine schlecht isolierte Einliegerwohnung punktuell beheizt, gleicht die höheren Anschaffungskosten also relativ zügig über die eingesparten Stromkosten aus. Für den einmaligen Kälteschub am kalten Novemberabend bleibt der Heizlüfter aus dem Baumarktregal natürlich die pragmatischere Wahl.

Interessant wird die Rechnung vor allem für Haushalte, die ohnehin schon eine mobile Klimaanlage für den Sommer besitzen, sie steht dann die Hälfte des Jahres nutzlos im Keller, während sie im Winter genau dieselbe Technik nutzen könnte, um Räume effizient zu temperieren. Die Frage ist also weniger, ob sich der Umstieg lohnt, sondern eher, warum so viele Geräte mit eingebauter Heizfunktion überhaupt nur zur Hälfte genutzt werden. Vielleicht beginnt der nächste Winter ja genau mit diesem Blick in die Bedienungsanleitung, die den Heizmodus schon längst versteckt.

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