Vinted war gestern: So verdienst du mit deiner Secondhand-Mode richtig Geld

Der Kleiderschrank quillt über, die Motivation ist da, und dann das: Man fotografiert, beschreibt, wartet, und verkauft eine Jacke für drei Euro. Wer kennt dieses Gefühl nicht? Vinted hat den Secondhand-Markt in Deutschland demokratisiert, keine Frage. Aber immer mehr Verkäuferinnen merken, dass die App, die eigentlich Geld bringen soll, vor allem eines tut: den Preis drücken.

Kleidung verkauft sich auf Vinted oft nur dann zuverlässig, wenn sie sehr günstig ist, die Plattform funktioniert für viele Verkäufer wie ein digitaler Flohmarkt. Wer möglichst viel Geld verdienen möchte, stößt schnell an eine Preisgrenze. Das Gute: Es gibt Alternativen. Und die können je nach Strategie deutlich mehr einbringen.

Das Wichtigste

  • Warum dieselbe Jacke auf eBay 20 Euro statt 3 Euro bringt – es liegt am Publikum, nicht am Zustand
  • Die überraschende Wahrheit über Depop und Vestiaire Collective: Für wen sie sich wirklich lohnen
  • Die eine Regel, die erfahrene Wiederverkäufer kennen (und du jetzt auch)

Warum Vinted an seine Grenzen stößt

Vinted ist in Deutschland die größte Plattform, um online Secondhand-Mode zu kaufen oder zu verkaufen. Das klingt zunächst nach einem Vorteil. Viele Nutzerinnen, viele Käuferinnen. Nur: Viele Nutzerinnen bedeutet auch ein riesiges Angebot. Der Grund für den Preisverfall ist vor allem das riesige Angebot an Fast-Fashion-Produkten. Marken wie H&M oder Zara bringen ständig neue Kollektionen auf den Markt, dadurch landen große Mengen kaum getragener Kleidung auf Secondhand-Plattformen. Wenn hunderte ähnliche Artikel gleichzeitig angeboten werden, sinken die Preise automatisch.

Dazu kommen strukturelle Probleme, die sich in den Nutzerbewertungen häufen. Viele Nutzer kritisieren den Kundenservice von Vinted als unzuverlässig, automatisiert und wenig hilfreich. Verkäufer fühlen sich häufig benachteiligt, da der Verkäuferschutz praktisch nicht existiert und sie bei Problemen oft weder Ware noch Geld behalten. Wer eine hochwertige Jacke oder ein Designerstück einstellt, riskiert genau das: einen Käufer, ein Problem, und dann Stille.

Viele ziehen deshalb die Konsequenz und entfernen ihre Artikel. Für günstige Alltagsartikel mag die Plattform funktionieren, für teurere Verkäufe ist sie aus Sicht vieler Nutzerinnen nicht seriös genug. Klingt hart, ist aber die Erfahrung vieler.

eBay: Die unterschätzte Alternative für Markenstücke

Wer spontan an eBay denkt, hat vielleicht Auktionen aus dem Jahr 2005 vor Augen. Onkel Heinz, der seinen alten Rasenmäher versteigert. Diese Assoziation ist hartnäckig, und komplett falsch, wenn es um Mode geht.

Ganz anders als bei Vinted wird eBay häufig beschrieben: Auf Reddit berichten mehrere Nutzer, dass identische Artikel dort höhere Preise erzielen können als auf Vinted. Ein Verkäufer schildert, dass ein Paar Schuhe auf Vinted kaum Aufmerksamkeit bekam, während es auf eBay relativ schnell verkauft wurde. Ein weiterer Vorteil: Angebote auf eBay können verbindlich sein. Wird ein Preis akzeptiert, ist der Verkauf abgeschlossen, das reduziert laut einigen Nutzern die typischen Preisverhandlungen, die auf Secondhand-Apps sehr verbreitet sind.

Frankreich, Markenjeans, Lederschuhe, auf eBay findet sich eine ganz andere Käuferschaft als auf Vinted. Eine, die bereit ist, für Qualität zu zahlen. Das Versteigerungsportal eBay eignet sich sehr gut für Markenklamotten, Lederjacken und ähnliches. Das ist kein Geheimtipp, sondern schlicht ein anderes Publikum.

Depop und Vestiaire Collective: Für wen sie sich wirklich lohnen

Depop ist eine Welt für sich, und man muss diese Welt mögen. Das Listing-Erlebnis auf Depop dreht sich um social-style discovery und visuelles Branding. Ein Instagram-ähnlicher Feed lässt Käufer scrollen, Verkäufern folgen und mit Beiträgen interagieren. Wer ein einzigartiges und ästhetisch ansprechendes Schaufenster über kuratierte Fotos aufbaut, erreicht Gen Z und Millennial-Käufer.

Jüngere Käufer suchen Vintage-Stücke, Streetwear und einzigartige Teile. Visuell starke, authentische Vintage-Pieces performen besonders gut, und Käufer zahlen mehr für alles, was sie hervorhebt. Auf Depop zählt die Präsentation genauso viel wie das Produkt selbst. Das bedeutet: wer einen coolen 80s-Blazer oder eine Y2K-Handtasche hat und weiß, wie man schöne Fotos macht, kann hier deutlich mehr rausholen als auf Vinted.

Bei Luxus- und Designermode ist Vestiaire Collective das Stichwort. Die Plattform hat sich auf den Ankauf und Verkauf von Designermode spezialisiert. Man kann Artikel selbst fotografieren und zum Kauf anbieten. Wer das zu aufwendig findet, kann den Concierge Service nutzen: Die Teile werden an die Plattform versendet, und diese übernimmt gegen eine höhere Provision den vollständigen Verkaufsprozess, vom Foto bis zum Versand. Der Haken ist die Provision, der Vorteil ist eine kaufkräftige Zielgruppe, die genau das sucht, was man verkauft.

Die goldene Regel: Plattform nach Produkt wählen

Hier liegt der eigentliche Fehler, den die meisten machen. Man öffnet Vinted, stellt alles ein, die alte H&M-Bluse für zwei Euro, die kaum getragene Marken-Daunenjacke für zwanzig, und die Vintage-Levi’s für fünfzehn. Alles auf einem Haufen, alle zum Discountpreis.

Besonders beliebt auf dem Secondhandmarkt sind Jacken, Mäntel, Pullover und Kleider. Aber welche auf welcher Plattform? 94 Prozent der für den Momox Secondhand-Fashion Report befragten Shopper gaben an, dass der Zustand der Artikel das entscheidende Kriterium bei einem Einkauf sei. Das ist die eine Wahrheit. Die andere: Der Zustand allein reicht nicht, wenn die Plattform die falsche ist.

Konkret bedeutet das:

  • Alltagskleidung in gutem Zustand: Vinted oder Kleiderkorb (keine Gebühren, direkter Handel)
  • Markenstücke und Vintage-Mode: eBay oder Depop
  • Designermode und Luxusaccessoires: Vestiaire Collective
  • Handgemachtes, Einzigartiges, Kreatives: Etsy, wenn man handgefertigte oder einzigartige Vintage-Modeartikel verkaufen möchte, die Plattform ist bekannt für kreative Verkäufer und einzigartige Fundstücke.

Viele erfahrene Wiederverkäufer listen ihre Artikel auf mehreren Plattformen gleichzeitig, um die Sichtbarkeit zu erhöhen und mehr Käufer zu erreichen. Das kostet mehr Zeit, ja. Aber verglichen mit dem Gefühl, eine 90-Euro-Jacke für acht Euro hergegeben zu haben, lohnt sich der Aufwand.

Noch ein Gedanke, der zum Umdenken einlädt: Die Plattform ohne Verkäufergebühren ist nicht zwingend die profitabelste. Online-Secondhandshops wie Momox und Sellpy wickeln den Verkaufsprozess ab, liefern jedoch oft geringere Verkaufserlöse. Aber auf einer spezialisierten Plattform mit Provision kann der Endpreis trotzdem höher sein, weil die Zielgruppe kaufkräftiger ist. Manchmal ist die Fee der Preis für den richtigen Käufer.

Die Frage ist also weniger, welche App man nutzt. Die Frage ist, was man verkauft, und ob man bereit ist, die halbe Stunde zu investieren, die den Unterschied zwischen drei Euro und dreißig ausmacht. Welche deiner Schubladen wartet noch auf die richtige Plattform?

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