Jahrelang falsch gemacht: So kostet dich jeder Waschgang deiner Lieblingsjeans bares Geld

Die Jeans liegt noch auf dem Stuhl, kaum getragen, kaum schmutzig. Trotzdem landet sie reflexartig in der Waschmaschine. Es ist Montag, also Waschtag. So war das immer. Bis zu dem Moment, in dem ich anfing nachzurechnen, was mich diese Gewohnheit wirklich kostet.

Die Antwort war ernüchternd. Die Jeans ist das Kleidungsstück, bei dem falsche Waschgewohnheiten die größten finanziellen Schäden anrichten. Nicht weil sie teuer zu waschen wäre, sondern weil sie kaum je hätte gewaschen werden müssen.

Das Wichtigste

  • Eine einzelne falsche Entscheidung beim Waschen kann mehr kosten als das Kleidungsstück selbst wert ist
  • Die meisten Menschen waschen ihre Jeans nach Kalender statt nach tatsächlichem Bedarf
  • Es gibt einen überraschenden Fehler, den fast jeder macht und der stille Schäden anrichtet

Das Missverständnis mit dem „sauberen“ Kleidungsstück

Wird Kleidung zu häufig gewaschen, geht das ins Geld: Energiekosten, Wasserkosten, Waschmittelkosten. Auch die Textilfasern leiden, denn bei jedem Waschgang werden sie abgenutzt. Das ist keine Neuigkeit, aber die wenigsten ziehen daraus Konsequenzen. Wir waschen nach Kalender, nicht nach Zustand.

Je öfter man eine Jeans wäscht, desto schneller verschleißt sie: Fasern gehen ab, die Farbe bleicht aus und der Stoff geht ein oder gibt nach. Seltener waschen erhöht die Lebensdauer der Jeans, was auch nachhaltiger ist. Das klingt fast zu simpel. Eine Evidenz, die die meisten ignorieren.

Jetzt kommt der Teil, der wirklich überrascht: Beim Thema Waschen gilt grundsätzlich: so oft wie nötig, so selten wie möglich. Jeans sollten nicht nach jedem Tragen in der Waschmaschine landen, sondern lieber fünf oder sogar zehnmal getragen werden. Fünf bis zehn Mal. Die meisten von uns schaffen das kaum einmal.

Was jeder Waschgang wirklich kostet

Geld. Und mehr, als man denkt. Eine Maschine mit 30-Grad-Wäsche verbraucht nur ein Fünftel des Stroms einer 60-Grad-Ladung. Bei einer Reduzierung von 40 auf 30 Grad sinkt laut Umweltbundesamt der Stromverbrauch um 35 Prozent. Multipliziert man das mit den durchschnittlich mehr als hundert Waschgängen pro Jahr in einem deutschen Haushalt, summiert sich das zu einem spürbaren Betrag.

Wer seine Wäsche mit 30 statt 40 Grad wäscht, spart im Schnitt 23 Euro im Jahr und vermeidet rund 28 Kilogramm CO₂. Das klingt nach wenig, aber das ist nur die Energierechnung. Dazu kommt der schleichende Wertverlust der Kleidung selbst.

Und dann ist da noch das Waschmittel. Zu viel Waschmittel ist erstens sehr teuer und zweitens schadet es der Umwelt. Mit dem Verbrauch des Waschmittels steigt nämlich auch der Wasserverbrauch der Maschine: überdosiertes Waschmittel bringt die Wäsche stark zum Schäumen und zusätzliches Spülen mit klarem Wasser wird notwendig. Ein Teufelskreis, den die meisten selber aktivieren.

Bei zu viel Waschpulver bleiben Rückstände im Fach übrig, die schimmeln können. Beim nächsten Waschgang verteilt man die Schimmelsporen dann über der Kleidung. Wer gedacht hat, mehr Waschmittel = sauberere Wäsche, darf diese Vorstellung jetzt begraben.

Die echten Fehler, die Kleidung ruinieren

Temperatur zu hoch, Schleudergang zu aggressiv, falsches Programm. Auf der Liste der häufigsten Fehler beim Wäschewaschen darf natürlich die falsche Temperatur nicht fehlen. Sie ist für beschädigte Textilien und Verfärbungen verantwortlich und kann zuweilen teuer werden: Wolle oder feine Synthetik sollte man niemals bei zu hohen Temperaturen waschen.

Bei der Jeans mit Stretch-Anteil wird es heikel. Sobald eine Jeans einen Stretch-Anteil im Gewebe hat, wird eine Waschtemperatur von 30 Grad empfohlen. Bei höheren Temperaturen können die Stretch-Fasern geschädigt werden und die Hosen möglicherweise ausbeulen, zumeist an Stellen wie Sitz- oder Kniefalten. Die schöne Passform, für die man damals tief in die Tasche gegriffen hat, ist weg. Für immer.

Auch der Trockner ist ein stiller Kostentreiber. Jeans gehören auf keinen Fall in den Trockner. Durch die Hitze kann die Jeans enger werden, weil sich die Fasern zusammenziehen. Bei Jeans mit hohem Stretch-Anteil passiert genau der gegensätzliche Effekt: das Material verliert seine Elastizität und leiert aus. Hitze und Reibung können die Farbe schneller ausbleichen und der Stoff wird aufgeraut, was dazu führt, dass er schneller dünn werden kann. Dadurch werden auch Löcher begünstigt.

Reißverschlüsse offen lassen. Unterschätzter Klassiker. Reißverschlüsse werden oftmals offen in die Trommel gegeben. Dies kann durch die scharfen Kanten Löcher in andere Kleidungsstücke reißen oder den Gummi an der Luke beschädigen. Ein vergessener Reißverschluss kostet mitunter mehr als das Kleidungsstück selbst.

So schont man Jeans (und den Geldbeutel) wirklich

Die Gegenreaktion muss keine radikale Askese sein. Ein paar konkrete Anpassungen reichen.

Jeans müssen nicht ständig gewaschen werden. Es reicht, wenn man sie zum Lüften an die frische Luft hängt. Das schont die Fasern, die Farben und auch die Form. Auf dem Balkon über Nacht, im Badezimmer beim Duschen, der Dampf erledigt den Rest.

Wenn dann doch ein Waschgang fällig ist:

  • Um den Jeans-Stoff zu schonen, sollte die Hose immer auf links gewaschen werden. 30 Grad sind eine optimale Waschtemperatur; in den Bereichen darüber besteht die Gefahr, dass die Lieblingshose einläuft.
  • Auf Weichspüler verzichten: Er weicht die Fasern der Jeans auf und diese geht dadurch schneller kaputt.
  • Den Trockner vermeiden: Er schadet dem Jeansstoff. Am besten trocknen Jeans an der Luft.
  • Die Dosierung des Waschmittels sollte eher sparsam erfolgen: Zu viel Waschmittel hinterlässt Rückstände in den Fasern, die beim nächsten Tragen zu schnellerer Verschmutzung führen können.

Und kleine Flecken? Statt die Jeans zu waschen, kann man kleine Flecken mit einer Bürste entfernen. Eine alte Zahnbürste, etwas milde Seife, fertig. Kein Waschgang nötig.

Eine Jeans, die zehn Jahre hält statt zwei, spart nicht nur Geld, sondern reduziert auch den ökologischen Fußabdruck erheblich. Das ist keine Lifestyle-Romantik, sondern schlichte Arithmetik.

Was bleibt, ist eine ungemütliche Frage: Wenn die Jeans das offensichtlichste Beispiel ist, bei welchen anderen Kleidungsstücken im Schrank waschen wir eigentlich aus purer Gewohnheit, obwohl sie es gar nicht brauchen?

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