Ein makellos weißer Sneaker, frisch aus dem Karton gezogen. Dieses kurze Glücksgefühl kennen wohl die meisten. Und dann, nach ein paar Wochen Alltag: Druckstellen an der kleinen Zehe, Blasen an der Ferse, ein Schuh, der nie wirklich zum Fuß gehört hat. Der Fehler passierte nicht beim Tragen, sondern schon viel früher, im Laden oder beim Onlinekauf, in dem Moment, in dem die meisten nur auf eine einzige Zahl geschaut haben.
Die falsche Zahl. Oder genauer gesagt: die Zahl, die allein nichts sagt.
Das Wichtigste
- Die Schuhgröße allein sagt nichts über echte Passform aus – was fast niemand prüft
- Ein rätselhafter Buchstabe auf jedem Etikett verbirgt die entscheidende Information
- 80 % der Menschen tragen die falsche Schuhgröße – mit Folgen, die man erst später merkt
Die Größe lügt (meistens)
Rund 80 Prozent der Verbraucher sind laut dem „Deutschen Fußreport“, erstellt im Auftrag des Deutschen Schuhinstituts, in falschem Schuhwerk unterwegs, zu groß, zu weit, zu eng. Eine Zahl, die beim ersten Lesen kaum glaubhaft wirkt. Und doch: den wenigsten ist dies bewusst, obwohl etliche von Kopf- und Rückenschmerzen geplagt werden oder unter schiefstehenden Zehen leiden.
Der klassische Fehler beim Kauf weißer Sneaker? Man schaut auf die Schuhgröße und hört dort auf. Größe 39, passt. Fertig. Dabei beschreibt diese Zahl ausschließlich die Länge des Fußes, nichts weiter. Kunden neigen dazu, Schuhgröße nur mit Länge gleichzusetzen und im Zweifelsfall „mal einen zu weiten oder zu engen Schuh durch eine kleinere oder größere Nummer passend zu machen“, wie der DSI-Geschäftsführer Manfred Junkert betont. Das klingt banal, ist aber der Kern des Problems.
Was fast niemand im Laden prüft: die Schuhweite. Die perfekte Passform eines Schuhs ergibt sich aus dem Zusammenspiel der richtigen Schuhgröße mit der passenden Schuhweite. Die Schuhweite ist dabei nicht mit der Schuhbreite zu verwechseln: Mit der Weite ist das Ballenmaß gemeint, also der Umfang des Fußes an der Ballenlinie. Und genau diese Information steht auf jedem ordentlichen Etikett, in Form eines Buchstabens, direkt neben der Größenzahl.
Was der Buchstabe auf dem Etikett bedeutet
Die Schuhweite wird in Buchstaben angegeben. Dabei gilt die einfache Regel: Je breiter die Weite, desto höher der Buchstabe im Alphabet. In der Praxis sieht das so aus:
- E und F stehen für schmale Füße, G ist eine bequeme Weite für normal breite Schuhe.
- H ist eine gängige Passform für den etwas stärkeren Fuß.
- K, L und M werden für breite Füße und Hallux Valgus empfohlen.
Klingt einfach, oder? Ist es auch. Trotzdem ignorieren die meisten Menschen beim Sneakerkauf genau diese Information. Druckstellen am großen Zeh, Blasen am kleinen Zeh und gequetschte Füße : Grund dafür ist, dass beim Kauf meistens nur auf die Schuhgröße geachtet wird. Dabei ist die Schuhweite ein ebenso wichtiges Maß, damit man den perfekten Schuh findet.
Hier liegt die eigentliche Konterintuition: Man denkt, ein Schuh drückt, weil er zu kurz ist. Also kauft man eine halbe Nummer größer. Ein häufiger Fehler bei zu engen Schuhen ist der Kauf einer höheren Schuhgröße. Diese muss aber nicht zwangsläufig mehr Weite bieten. Man kauft also einen Schuh, der länger ist als nötig, aber in der Breite genauso drückt wie vorher. Und dann wundert man sich über Blasen.
Wie man die eigene Schuhweite bestimmt
Gute Nachricht: Das Bestimmen der eigenen Schuhweite braucht weder Fachwissen noch teure Geräte. Um die eigene Schuhweite zu bestimmen, wird nur ein Maßband oder ein Schnürsenkel und ein Lineal benötigt. Der optimale Zeitpunkt zum Maßnehmen ist gegen Nachmittag oder Abend, da durch die Belastung über den Tag hinweg der Fuß stärker durchblutet und somit etwas kräftiger als am Morgen ist. Das Messen selbst erfolgt am besten im Stehen sowie am unbekleideten Fuß.
Mit der Weite eines Schuhs ist das Ballenmaß gemeint, also der Umfang des Fußes an der Ballenlinie, der breitesten Stelle des Ballens. Diesen Wert trägt man dann in eine Weitentabelle ein, die für jede Schuhgröße die passende Weite ausweist. Nicht komplizierter als eine Konfektionsgröße nachschlagen.
Ein weiterer Tipp, der gerne übersehen wird: Der linke und der rechte Fuß sind unterschiedlich groß, bei einigen Menschen beträgt die Differenz sogar bis zu einer Schuhgröße. Deshalb sollte man immer beide Schuhe anprobieren. Und immer nach dem größeren Fuß kaufen.
Weiße Sneaker: Wenn die Passform auch das Material entscheidet
Bei weißen Sneakern kommt noch eine Dimension dazu, die beim Kauf kaum jemand bedenkt: das Material beeinflusst die Pflege. Außerdem wie sich die Passform über die Zeit verändert. Mögliche Faktoren hierfür sind das Material der Schuhe und die damit einhergehende Dehnbarkeit. Während sich Echtleder weitet, geben Kunstleder und andere synthetische Obermaterialien nicht so schnell nach. Das sollte man beim Schuhkauf immer im Auge behalten.
Wird Leder nicht regelmäßig gepflegt, verliert es nach und nach seine Geschmeidigkeit. Es trocknet aus, wird brüchig oder zeigt frühzeitig Risse. Wer jedoch regelmäßig reinigt, pflegt und imprägniert, wird mit einem Schuh belohnt, der mit der Zeit eine charaktervolle Patina entwickelt. Ein Leder-Sneaker in Weiß ist also keine pflegefreie Zone, sondern eine kleine Investition, die Aufmerksamkeit verlangt. Weiße Leder-Sneaker sollte man auf keinen Fall in der Waschmaschine reinigen. Das Naturmaterial würde sich mit Wasser vollsaugen und Schaden davon tragen.
Für Canvas-Modelle gilt die umgekehrte Logik: In der Waschmaschine lassen sich Schuhe aus Stoff wie weiße Canvas-Sneaker problemlos reinigen. Wer also weiße Sneaker kauft, sollte die Pflegeanforderungen des Materials von Anfang an mitdenken. Ein Canvas-Modell in Weite G zu kaufen und nach drei Monaten festzustellen, dass die Waschmaschine die Farbe verblasst hat, wäre genauso ärgerlich wie ein Lederpaar, das in der Breite nie gepasst hat.
Die eigentlich erschreckende Zahl steht nicht auf dem Sneaker-Etikett: Obwohl 98 Prozent der Bevölkerung mit gesunden Füßen zur Welt kommen, leiden 60 Prozent der Erwachsenen unter Fußproblemen. Nicht passende Schuhe gelten hierfür als Hauptursache. Jahrzehnte falsch sitzender Schuhe hinterlassen Spuren, oft ohne dass man überhaupt merkt, wann es begonnen hat.
Vielleicht lohnt es sich, beim nächsten Sneakerkauf weniger Zeit mit der Frage zu verbringen, ob das Weiß wirklich das richtige Weiß ist, und stattdessen kurz das Etikett zu drehen. Die Zahl dahinter, der Buchstabe, kennen die meisten nicht mal. Dabei erzählt er mehr über den Schuh als alles andere.
Sources : doghammer.de | waldlaeufer.de