Ein weißes T-Shirt, frisch aus der Trommel, aber mit diesem leicht stumpfen Grauschleier, den man nicht wirklich benennen kann. Ein schwarzes Lieblingsteil, das nach einem Sommer aus der Wäsche nicht mehr so satt und dunkel ist wie am ersten Tag. Das kennt fast jeder. Und der Schuldige ist oft nicht das falsche Waschmittel, nicht die Temperatur, nicht der Trockner. Es ist ein kleiner Handgriff davor, den die meisten einfach vergessen oder nie gelernt haben: die Wäsche auf links drehen.
Der Titel dieses Artikels klingt nach einem Geständnis. Und ja, genau darum geht es. Wer seine Kleidung jahrelang einfach so in die Trommel wirft, wie man sie ausgezogen hat, macht einen Fehler. Still, systematisch, Waschgang für Waschgang.
Das Wichtigste
- Warum deine schwarzen T-Shirts an Glanz verlieren und es nichts mit dem Waschmittel zu tun hat
- Welche Kleidungsstücke unbedingt gewendet werden müssen und welche nicht
- Der vergessene Schritt nach der Wäsche, der genauso wichtig ist wie davor
Was „auf links waschen“ wirklich bedeutet
Kleidung „auf links“ zu drehen heißt, das Innere der Kleidungsstücke nach außen zu holen. Die „linke“ Seite ist bei Kleidungsstücken immer die, die man am Körper trägt. Getragen wird Kleidung immer „auf rechts“. ein simpler Handgriff also. Aber einer mit Konsequenzen.
Im Inneren der Waschmaschine herrschen, vor allem beim Schleudern, durchaus gewisse Fliehkräfte, die die Wäschestücke gegen die Metalltrommel drücken und dafür sorgen, dass die einzelnen Kleidungsstücke tüchtig aneinander reiben. Diese Reibung während des Waschvorgangs kann zur Folge haben, dass empfindliche Stücke Schaden nehmen, an Farbe oder Festigkeit verlieren. Klingt dramatisch, ist es aber in Zeitlupe: Man sieht es nicht sofort, sondern erst nach dem zehnten, zwanzigsten Mal.
Hier liegt übrigens das größte Missverständnis bei diesem Thema. Viele denken, das Umdrehen auf links sei ein Tipp für besonders empfindliche Seidenblusen oder teure Kaschmir-Pullover. Falsch. Durch das Waschen von Textilien auf links schont man ihre Farben und Fasern. Außerdem vermindert man durch das Auf-links-Drehen in vielen Fällen die Reibung auf andere Artikel in der Trommel. Dadurch werden auch die anderen Textilien geschützt.
Welche Kleidungsstücke unbedingt gewendet werden sollten
Dunkle Textilien, egal ob Mikrofaser oder Baumwolle, sollte man auf links waschen. So wird verhindert, dass die Außenseite der Kleidung an der Maschine reibt, was zur Folge hat, dass die Fasern aufgeraut werden und der Stoff schneller ausbleicht. Außerdem entstehen so keine unschönen weißen Waschpulverrückstände auf der Außenseite der Kleidung.
Schuld am schnellen Verblassen sind meist zu hohe Temperaturen, aggressive Waschmittel mit Bleichzusätzen oder einfach zu lange Waschgänge. Die Farbpigmente lösen sich dabei Stück für Stück aus dem Stoff, zurück bleibt ein matter Look, der alles andere als frisch aussieht. Das Umdrehen auf links ist die erste, einfachste Schutzmaßnahme dagegen.
Auch bei Jeans geht es um mehr als Farbe. Jeans und andere feste Gewebe können durch die Reibung in der Trommel an Farbe verlieren und unschöne Knickfalten bekommen. Und dann gibt es noch die unsichtbare Gefahr: Wer Kleidungsstücke mit größeren und längeren Reißverschlüssen vor dem Waschen umstülpt, verringert das Risiko, dass der Reißverschluss sich an einem anderen Wäschestück verhakt und es möglicherweise beschädigt. Ein offener Reißverschluss in der Trommel ist wie ein kleines Schleifpapier, das munter rotiert.
Drucke, Stickereien und andere Applikationen bleiben länger intakt, da sie weniger direkter Belastung ausgesetzt sind. Das gilt für das Band-T-Shirt genauso wie für das Print-Kleid. Bedruckte T-Shirts sollte man immer auf links drehen und die Schleuderzahl niedrig halten, um den Druck zu schützen. Außerdem ist es ratsam, bedruckte Shirts an der Luft zu trocknen, da die Hitze im Trockner den Druck beschädigen kann.
Und Bettwäsche? Die profitiert gleich doppelt. Ein weiterer Grund, manche Wäschestücke auf links zu drehen: Sie werden dann sauberer. Das betrifft beispielsweise Bettdeckenbezüge. Kissen- und Bettbezüge werden in vielen Haushalten beim Abziehen auf links gedreht und auch so gewaschen, getrocknet und in den Schrank geräumt. Der Grund: Sie lassen sich in umgestülpter Form später leichter auf Kissen und Bettdecken aufziehen. Praktisch. Fast zu logisch.
Die Ausnahme: Wann man nicht auf links drehen sollte
Es gibt eine Kategorie, bei der das Umdrehen den gegenteiligen Effekt hätte. Wäschestücke, die auf der inneren Seite rauer sind als auf der Außenseite, sollte man immer „richtig herum“ waschen. Durch das Auf-links-Drehen würde sich bei solchen Artikeln die Reibung auf andere Artikel in der Trommel verstärken. Zu den Kleidungsstücken mit rauer Innen- und weicher Außenseite gehören zum Beispiel solche aus Samt.
Sehr verschmutzte Kleidung könnte beim Waschen auf links womöglich nicht ganz sauber werden. Das ist der einzige wirkliche Einwand. Bei stark eingeschmutzten Stücken, Gartenarbeit, Sportkleidung mit hartnäckigem Dreck, sollte man abwägen. Kurz vorwaschen oder vorbehandeln, dann auf links in die Maschine.
Auf links trocknen, der vergessene Schritt
Wer den Aufwand beim Waschen betreibt, sollte konsequent bleiben. Vor allem farbenprächtige und schwarze Kleidungsstücke sollten umgedreht werden, bevor man sie im Freien aufhängt. Denn Sonnenschein kann dazu führen, dass die schönen Farben verbleichen und an Intensität verlieren. UV-Strahlung ist ein unterschätzter Feind dunkler Textilien. Nicht in direkter Sonne trocknen: UV-Strahlen bleichen schwarze Kleidung besonders schnell aus.
Was für die Waschmaschine gilt, trifft in ähnlicher Weise natürlich auch auf den Trockner zu. Auch hier kann man empfindliche Textilien vor mechanischer Reibung schützen, wenn man sie vor dem Trocknen auf links dreht. Der Trockner ist dabei mit seinen hohen Temperaturen und der Trommelrotation fast aggressiver als die Waschmaschine selbst.
Ein letzter Tipp, der wirklich einen Unterschied macht: Dunkle, bedruckte oder beflockte Kleidung sollte ohnehin auf links gebügelt werden, um unschönen Glanz bei dunkler Wäsche oder Beschädigungen bei Aufdrucken zu vermeiden. Wer die Wäsche schon vor dem Waschen umdreht, hat also weniger Arbeit beim Bügeln danach.
Der Handgriff dauert zwei Sekunden pro Kleidungsstück. Zwei Sekunden, die über die Lebensdauer eines Lieblingsteils entscheiden können. Und vielleicht ist das der eigentliche Punkt: Wie viele unserer Alltagsroutinen schaden still und leise dem, was wir eigentlich schützen wollen, nur weil wir nie innehalten und fragen, ob es auch anders geht?