« Ich dachte, das wäre ein Sonnenbrand »: warum diese streifenförmigen Flecken am Dekolleté vom Parfum stammen und monatelang bleiben

Der erste Impuls: Sonnencreme nachlegen, kühles Gel drauf, abwarten. Doch die streifenförmigen, bräunlichen Flecken am Dekolleté werden nicht heller, sie bleiben. Wochen später sind sie noch da, manchmal Monate. Was viele für einen hartnäckigen Sonnenbrand halten, ist in Wahrheit eine Reaktion, die mit der Sonne selbst nur bedingt zu tun hat, dafür umso mehr mit dem Lieblingsparfum, das man sich am Morgen auf die Haut gesprüht hat.

Das Phänomen hat sogar einen eigenen Namen in der Dermatologie: Dermite en Berloque, auch Parfümdermatitis oder Photodermatitis pigmentaria Freund genannt. Der Begriff „Berloque“ ist eine Verballhornung des französischen Wortes „breloque“, das Uhrenanhänger bedeutet. Klingt kurios, beschreibt aber ziemlich genau das Bild, das sich auf der Haut zeigt: baumelnde, tropfenförmige Streifen, dort, wo das Parfum beim Auftragen über die Haut gelaufen ist.

Das Wichtigste

  • Parfum + UV-Strahlung = eine chemische Reaktion, die nicht sofort sichtbar wird
  • Bergamotte in Eau de Cologne ist der Klassiker unter den Verursachern
  • Die Pigmentflecken können Wochen später auftauchen und Monate bleiben

Warum ausgerechnet das Dekolleté betroffen ist

Hals, Nacken, Handgelenke, Dekolleté: genau die Stellen, an denen wir uns klassischerweise parfümieren, treffen im Sommer ungebremst auf die UV-Strahlung. Die Zonen, die am meisten betroffen sind, sind jene, die gleichzeitig Parfum und Sonne abbekommen: Hals, Nacken, Dekolleté, Handgelenke und Arme. Kein Zufall also, dass genau dort die Streifen entstehen, wo das Fläschchen zuletzt gesprüht hat.

Verantwortlich sind bestimmte Duftstoffe pflanzlichen Ursprungs, die sogenannten Furocumarine oder Psoralene. Die Hautreaktionen, die im Zusammenhang mit Parfum und Sonne auftreten, gehen vor allem auf eine Familie pflanzlicher Moleküle zurück: die Furocumarine, auch Psoralene genannt, natürlich vorkommende Verbindungen in vielen Pflanzen und Essenzen der Parfümerie. Der bekannteste Übeltäter trägt einen fast schon poetischen Namen: Bergaptène. Bergamotte enthält eine besonders photosensibilisierende Verbindung, das Bergaptène, auch als 5-Methoxypsoralen bekannt. Zitrusnoten, Lavendel, Zedernholz oder Sandelholz können ebenfalls photosensibilisierend wirken, doch Bergamotte, dieser klassische Kopfnoten-Star unzähliger Eau de Colognes, bleibt der Hauptverdächtige.

Das Prinzip dahinter ist eigentlich simpel, fast schon unfair simpel: Die Substanz selbst ist harmlos, solange sie im Dunkeln bleibt. Erst der Kontakt mit UV-Licht, insbesondere UVA-Strahlen, aktiviert eine chemische Kettenreaktion in der Haut. Keine Allergie im klassischen Sinn, sondern eine phototoxische Reaktion, bei der die Haut regelrecht überreagiert und zu viel Melanin produziert, genau an den Stellen, an denen der Duftstoff aufgetragen wurde.

Eine Reaktion mit Verzögerung, die deshalb oft missverstanden wird

Genau das erklärt, warum so viele Betroffene zunächst an einen banalen Sonnenbrand denken. Die eigentliche Entzündungsphase wird oft gar nicht bemerkt, sie kann mild ausfallen oder ganz ausbleiben. Die braunen Flecken, die häufig die Form eines Rinnsals auf den Auftragestellen des Parfums annehmen, erscheinen entweder direkt nach der Sonnenexposition oder später, zwei bis drei Wochen danach. Wer also am Strand war, sich abends etwas gerötet fühlte und die Sache abhakte, kann Wochen später vom Ergebnis überrascht werden, ganz ohne erkennbaren Auslöser im Nachhinein.

Und dann die Geduldsprobe. Das Verblassen dieser Flecken verläuft langsam und schrittweise, es dauert in der Regel mehrere Monate. In manchen Fällen bleibt die Pigmentierung noch länger sichtbar. Die Hyperpigmentierung kann sogar unbegrenzt bestehen bleiben, selbst nachdem das Parfum nicht mehr verwendet und täglich Sonnenschutz aufgetragen wird. Eine ernüchternde Zahl für alle, die auf schnelle Besserung gehofft hatten.

Historisch betrachtet ist das Phänomen übrigens keine neue Modeerscheinung. Mehrere Fälle wurden bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren beschrieben, als parfümiert mit Bergamottöl und die Begeisterung fürs Sonnenbaden gleichzeitig zunahmen. Seitdem hat sich einiges getan: seit der Einführung von künstlichem Bergamottöl und der reduzierten Verwendung des Naturprodukts in Parfums ist die Dermite en Berloque selten geworden. Moderne Regulierungen begrenzen den Bergaptène-Gehalt in Duftstoffen streng, was schwere Fälle heute deutlich seltener macht, wenn auch mildere Formen weiterhin auftauchen können.

Was wirklich hilft, bevor die Streifen überhaupt entstehen

Franchement, es ist eine dieser Alltagsgewohnheiten, über die kaum jemand nachdenkt: Parfum auf, Sonne drauf, fertig. Dabei reicht ein kleiner Routinewechsel, um das Risiko fast komplett zu umgehen. Ein paar einfache Regeln machen den Unterschied:

  • Parfum lieber auf Hautstellen auftragen, die vor der Sonne geschützt sind, etwa die Kniekehlen, die Armbeugen oder hinter den Ohren unter den Haaren.
  • Falls das Parfum doch auf die Haut aufgetragen wurde, mindestens eine Stunde vor der Sonnenexposition warten oder die betroffenen Stellen mit Kleidung abdecken.
  • Sich abends parfümieren, nach der Sonnenexposition und der Dusche, wenn die Haut sauber und keine UV-Strahlen mehr vorhanden sind, gilt als idealer Moment, um den Duft ohne Hautrisiko zu genießen.
  • Parfum direkt auf die Kleidung sprühen, am besten auf natürliche Stoffe wie Baumwolle, um bleibende Flecken zu vermeiden.

Sollte die Pigmentierung trotzdem auftreten und partout nicht verblassen wollen, lohnt sich der Gang zur Hautärztin. In hartnäckigen Fällen kommen aufhellende Wirkstoffe wie Hydrochinon oder auch Lasertherapien zum Einsatz, um die tiefer liegende Pigmentierung gezielt anzugehen.

Bleibt die Frage, die sich eigentlich jede stellen sollte, die morgens routiniert zur Parfumflasche greift: Ist der vertraute Duft am Hals wirklich jeden Sonnentag wert, wenn die Quittung dafür monatelang sichtbar bleibt?

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