80 Kleidungsstücke aussortiert und keine Reue: Wie die KonMari-Methode dein Leben verändert

Ein freier Samstagmorgen, der Kleiderschrank steht offen, und das vertraute Gefühl schleicht sich wieder ein: Haufenweise Kleidung, aber gefühlt nichts zum Anziehen. Dieses Paradox kennen die meisten von uns viel zu gut. Meistens ist es doch so: Wir haben einfach zu viele Sachen zum Anziehen, obwohl unser Gefühl uns sagt, wir haben nichts. Wer dann 80 Teile aussortiert und am Ende kein einziges davon bereut, hat die KonMari-Methode wirklich verstanden.

Das Wichtigste

  • Ein japanisches Konzept, das über Minimalismus hinausgeht – doch was steckt wirklich dahinter?
  • Warum 80 ausrangierte Teile zu null Reue führen und was das über dich aussagt
  • Die überraschende Transformation, die nach dem Ausmisten passiert – nicht nur im Kleiderschrank

Tokimeku: Das Wort, das alles verändert

Die KonMari-Methode wurde von der japanischen Aufräumexpertin Marie Kondo entwickelt und ist zu einem populären Ansatz geworden, um Kleiderschränke in perfekte Ordnung zu bringen. Doch „Ordnung“ ist dabei eigentlich das falsche Wort. Es geht um etwas Tieferes.

Im Japanischen nutzt Marie Kondo dafür den schwierig zu übersetzenden Begriff tokimeku, der eine Art freudige Aufregung beschreibt. Die KonMari-Methode ist auf den Prinzipien der Freude und Achtsamkeit aufgebaut. Ihr Hauptansatz besteht darin, nur die Dinge zu behalten, die Freude bereiten, und den Rest zu entfernen. Klingt simpel. Ist es aber gar nicht, wenn man nach Jahren des Hamsterkaufs vor einem Kleiderstapel steht, der einem ein schlechtes Gewissen macht.

Und genau hier liegt das erste Missverständnis, das ich gerne korrigieren möchte: Die Methode ist kein Aufruf zum radikalen Minimalismus. Marie Kondo betrachtet das Ordnung schaffen quasi als eine Art meditativen Selbstreinigungsprozess, ein Ritual, das einfach von der Hand gehen soll, mit dem Ziel, mehr Ruhe und mentale Klarheit im Kopf zu bekommen sowie ein Zuhause, das zu einem passt. Ein Kleiderschrank mit dreißig sorgfältig gewählten Stücken ist damit gemeint, nicht fünf graue T-Shirts.

Der Moment, in dem der Berg aus Kleidung zur Therapie wird

Bei der KonMari-Methode müssen alle Kleidungsstücke, die man besitzt, auf einmal ausgemistet und neu sortiert werden. Absolut alles, von Unterwäsche bis zu Daunenjacken. Das klingt nach einem langen Tag. Das ist auch einer. Aber genau das ist der Punkt.

Die Konmari-Methode sieht vor, dass man alle Dinge einer Sachgruppe, zum Beispiel Kleidung, aus allen Ecken seines Zuhauses hervorholt und auf einem Haufen sammelt. Anschließend mistet man mithilfe des Glückskriteriums aus. Diese Methode hilft laut Marie Kondo, weil einem nur dann bewusst wird, was man alles besitzt, und dieser „Schock“ hat eine heilsame Wirkung. Der Schrank, der Keller, die Tasche unter dem Bett, die Schachtel im Schlafzimmer: alles auf einen Haufen. Erst dann begreift man den Umfang des eigenen Besitzes wirklich.

Die KonMari-Methode besagt, dass man jedes einzelne Kleidungsstück, das man besitzt, einzeln durchgeht, in die Hand nimmt und sich dabei fragt: Spürst du Freude? Auf diese Weise soll man bei jedem einzelnen Stück überdenken, ob man es wirklich gerne trägt. Diese körperliche Geste, das tatsächliche Anfassen, ist entscheidend. Die Entscheidung kommt nicht vom Kopf, sie kommt vom Bauch. Das Ergebnis nach 80 aussortierten Teilen? Kein Bedauern. Das ist keine Magie. Das ist ein gut trainiertes Gefühl.

Damit das Entrümpeln relativ schnell und effizient vonstattengeht, gibt die Konmari-Methode eine Reihenfolge vor: Erst wird Kleidung aussortiert, dann Bücher, Schriftstücke, Kleinkram und zuletzt Erinnerungsstücke. Man beginnt mit der Kategorie, bei der das Wegwerfen am wenigsten schwerfällt, und arbeitet sich nach und nach zur schwierigsten Kategorie vor. Da man dann schon Übung hat, fällt das Aussortieren leichter. Klug. Wie beim Kochen: Man beginnt mit dem, was man kennt, bevor man das schwierige Rezept angeht.

Die Falttechnik, die wie ein Bento-Box-Prinzip funktioniert

Wer glaubt, nach dem Aussortieren sei die Arbeit getan, liegt falsch. Der zweite Akt der Methode ist das Einräumen, und hier verbirgt sich eine Weisheit, die aus einem ganz anderen Kontext stammt.

Wenn man den Kleiderschrank aufräumt, soll man an die japanischen Bento-Brotdosen denken. Die Lunchbox ist ein traditioneller Bestandteil der japanischen Kultur, und keine andere Kultur auf der Welt nimmt dieses Essen so ernst wie die Japaner. Das Aussehen des Bento ist sehr wichtig, und die farbenfrohen Produkte sind exquisit in kleinen Fächern angeordnet. Bento verkörpert die einzigartige japanische Ästhetik des Stauraums. Schlüsselkonzepte sind Farbtrennung, Präsentationsschönheit und Kompaktheit. Das Falten von Kleidung in einer Schachtel oder Schublade folgt denselben Prinzipien wie das Verpacken einer Bento-Box.

Konkret heißt das: Kleidung wird zu kleinen Päckchen gefaltet und stehend gelagert. Diese Faltmethode hat den Vorteil, dass man ähnlich wie bei Buchrücken jedes Teil direkt sieht und einfacher Teile rausnehmen und wieder einräumen kann. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man hat einen besseren Überblick und kann jedes beliebige Teil einfach aus der Schublade nehmen, ohne die anderen Teile dabei durcheinander zu bringen. Wer das einmal ausprobiert hat, versteht sofort, warum das klassische Stapeln so eine Quelle stiller Frustration ist.

Was danach passiert, überrascht am meisten

Marie Kondo fördert einen bewussteren Konsum als Gegenbewegung zum Fast-Fashion-Trend und hilft dabei, nachhaltiger mit dem zu leben, was man hat. Das ist der Teil, über den kaum jemand spricht, wenn er von 80 aussortierten Teilen erzählt. Nach der Aktion kauft man anders. Nicht weniger unbedingt, aber bedachter.

Der Minimalismus wirkt sich nicht nur befreiend auf den Kopf aus und hilft dabei, Zeit zu sparen, die dann für Hobbys zur Verfügung steht: Auch die Finanzen verändern sich gravierend. Durch den Minimalismus vergeht die Lust am Kaufen, und man begreift: Egal wie günstig etwas ist, wenn man es nicht kauft, spart man 100 Prozent. Ein Gedanke, der sich so banal anhört, aber im Alltag einer kleinen Revolution gleichkommt.

Insgesamt zielt die KonMari-Methode darauf ab, äußere Ordnung zu schaffen. Außerdem das innere Wohlbefinden und die Lebensqualität zu steigern, indem sie ein Umfeld schafft, das Freude und Zufriedenheit fördert. Ausmisten befreit auch irgendwie immer ein bisschen. Man öffnet den Kleiderschrank danach mit einem besseren Gefühl.

Und vielleicht liegt hier der eigentlich interessante Gedanke: Was, wenn das, was uns täglich umgibt, mehr mit unserem Gefühl von Leichtigkeit oder Schwere zu tun hat, als wir zugeben möchten? Marie Kondo rät zu einer einfachen Methode der Achtsamkeitspraxis: die eigenen Dinge wertschätzen, indem man ihnen Dankbarkeit entgegenbringt. Was etwas gewöhnungsbedürftig klingt, hat einen schönen Effekt: Man macht sich bewusst, warum man welche Dinge besitzt, behandelt sie dadurch automatisch pfleglicher und hat so länger etwas von ihnen. Vielleicht ist weniger nicht die Lösung. Vielleicht ist richtiger die Lösung. Was würdest du behalten, wenn du wirklich ehrlich mit dir wärst?

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