Der letzte Handgriff vor dem Urlaubskoffer: ein Tastendruck auf den Kaffeevollautomaten, ein kurzes Aufleuchten, dann Stille. Die meisten von uns halten diesen Moment für erledigt. Ist er aber nicht.
Was viele nicht wissen: Dieser eine Knopf an der Front schaltet das Gerät oft nur in einen Ruhezustand, nicht wirklich aus. Und im Wassertank beginnt in dem Moment, in dem die Maschine kalt wird, ein biologischer Prozess, den kaum jemand auf dem Schirm hat. Zwei Probleme, ein einziger Klick, der beide auslöst, oder eben nicht löst.
Das Wichtigste
- Der Frontknopf ist kein echter Ausschalter — was wirklich hilft, versteckt sich an der Rückseite
- Stehendes Wasser im Tank wird nach Tagen zur perfekten Brutstätte für Dinge, die niemand in der Kaffeetasse haben möchte
- Eine simple Routine vor dem Urlaub verhindert, dass die erste Tasse nach der Rückkehr nach etwas Undefinierbarem schmeckt
Der Knopf, der nicht wirklich ausschaltet
Fangen wir mit dem Strom an, weil er sich am einfachsten erklären lässt. Viele Kaffeevollautomaten, gerade die bekannten Modelle mit den kleinen, elegant wirkenden Sensortasten, trennen bei Betätigung der Frontaste die Maschine nicht vollständig vom Netz. Die weit verbreiteten Modelle haben am Bedienfeld nur kleine Taster, die zwar schick aussehen, das Gerät aber nicht wirklich ausschalten. Nach dem „Abschalten“ bleiben typischerweise 4 Watt übrig. Klingt nach wenig. Ist aber, über Wochen des Urlaubs gerechnet, kein Nichts.
Der eigentliche Trick, den die Hersteller nur ungern in den Vordergrund stellen: Wer es weiß, nutzt im eigenen Interesse besser den Hauptschalter, der zwar schlecht zugänglich im hinteren Bereich versteckt ist, mit dem aber ein Abschalten ohne Restverbrauch möglich ist. Genau dieser Schalter, meist unscheinbar an der Rückseite oder Unterseite platziert, ist der wahre Aus-Knopf. Die Frontaste dagegen ist eher ein Pausenknopf mit Komfortfunktion, praktisch für den Alltag, aber komplett ungeeignet für längere Abwesenheit.
Für den Standby-Betrieb im Alltag gilt allerdings: Nicht immer lohnt sich das komplette Trennen vom Netz. Das komplette Ausschalten, also das Trennen vom Stromnetz, lohnt sich nur, wenn der Zeitraum lang genug ist, mindestens zwei Stunden, sonst benötigt die Maschine mehr Strom für das Aufheizen der Boiler als sie im Standby-Betrieb verbrauchen würde. Für die Kaffeepause zwischendurch also ruhig die Frontaste, für den Urlaub aber den Hauptschalter oder gleich den Stecker ziehen. Ein Unterschied, der bares Geld wert ist, wenn man bedenkt, dass so ein Automat rund um die Uhr, Tag für Tag, minimal aber konstant Energie zieht.
Im Tank passiert etwas, das niemand sehen will
Jetzt zum eigentlich spannenderen Teil, dem, was viele komplett übersehen. Wer den Tank vor der Abreise einfach im Gerät lässt, gefüllt, halbvoll oder auch nur mit ein paar Resttropfen, schafft ideale Bedingungen für genau das, was niemand in seiner Kaffeetasse haben möchte.
Ein erfahrener Nutzer bringt es in einem Forumsbeitrag auf den Punkt: Stehendes Wasser im Tank hat die ganze Zeit der Welt, um Kalkablagerungen zu bilden, denn der „Schmutz“ im Wassertank ist nichts anderes als Kalk. Über eine Nacht ist das zu verschmerzen. Über zwei oder drei Wochen Urlaub, bei sommerlichen Temperaturen in der Küche, wird daraus ein anderes Kapitel.
Ein Blick in ein Fachforum bestätigt, was Hygieniker seit Jahren predigen, auch wenn es kaum jemand hören will: Man lässt einen Vollautomaten niemals über Nacht mit leerem Tank stehen, denn durch das Abkühlen der Maschine nach dem Ausschalten zieht das System Luft in den Wasserkreislauf, was durch das dann feuchte und warme Mikroklima den allerbesten Nährboden für Bakterien und andere Schweinereien bildet. Übertragen auf mehrere Wochen Stillstand heißt das: Restfeuchte in Leitungen, Ventilen und Brühgruppe wird zur perfekten Brutstätte, bevor überhaupt jemand wieder eine Tasse aufsetzt.
Kontraintuitiv, aber wahr: Ein komplett trockener, sauberer Tank ist deutlich unproblematischer als ein Tank mit Restwasser, egal wie klein die Menge. Deshalb raten Hersteller wie auch erfahrene Nutzer unisono zum radikalen Entleeren vor jeder längeren Pause.
Die Checkliste, die wirklich zählt
Was also tun, bevor der Koffer zugeht? Herstellerangaben und Erfahrungswerte langjähriger Nutzer decken sich in den zentralen Punkten. Ein Blick in eine offizielle Gebrauchsanweisung liefert die Basis: Bei längerer Abwesenheit, etwa für die Urlaubszeit, sollten Abtropfschale, Satzbehälter und Wassertank geleert werden, alle Teile sollten gründlich gereinigt werden, auch die Brüheinheit.
Wer es noch gründlicher mag, orientiert sich an der Routine erfahrener Vollautomaten-Besitzer, die ihre Geräte auch schon mal vier Wochen am Stück stehen lassen:
- System und Leitungen möglichst leerlaufen lassen, statt nur den Tank abzunehmen
- Bohnenbehälter leeren, denn alte Bohnen verlieren spürbar an Aroma
- Restebehälter leeren und nicht komplett einschieben, damit Luft zirkulieren kann
- Tank herausnehmen, auswaschen und offen stehen lassen
- Hauptschalter betätigen oder den Stecker ziehen, statt nur die Frontaste
Ein Nutzer, der seine Maschine regelmäßig über mehrere Wochen ruhen lässt, beschreibt seine bewährte Routine so: System entleeren, Bohnen aufbrauchen und keine mehr nachfüllen, Restebehälter leeren und nicht mehr ganz einschieben, damit Luft zirkulieren kann, Tank leeren und auswaschen, Netzstecker ziehen. Wichtig zu wissen: Beim Ziehen des Netzsteckers gehen die Einstellungen nicht verloren, lediglich die Uhrzeit muss danach neu eingestellt werden. Keine Ausrede also, aus Angst vor verlorenen Wassermengen-Einstellungen den Stecker in der Steckdose zu lassen.
Für Filter-Nutzer gibt es noch einen kleinen Zusatztipp: Wer nur für ein paar Tage verreist, kann den Wasserfilter auch vorübergehend im Kühlschrank aufbewahren, statt ihn komplett zu entsorgen. Bei längerer Abwesenheit lohnt sich aber der komplette Austausch nach der Rückkehr allemal.
Fünf Minuten Aufwand, bevor der Flieger geht oder das Auto vollgepackt wird. Fünf Minuten, die entscheiden, ob die erste Tasse nach dem Urlaub nach frisch gemahlenem Kaffee schmeckt oder nach etwas, das man lieber nicht genauer beschreiben möchte. Die Frage, die bleibt: Wie viele Kaffeevollautomaten stehen wohl gerade jetzt, während dieser Zeilen, mit halbvollem Tank und aktiviertem Standby in deutschen Küchen, während ihre Besitzer längst am Strand liegen?
Sources : kaffee-welt.net | kaffee-welt.net