Der Morgen nach einem Hoteltag: Du ziehst dir den flauschigen Bademantel über, spürst das Gewicht dieser weichen Schlaufen auf der Haut, das Gefühl von gepflegtem Nichtstun, von angenehmer Schwere. Genau dieses Gefühl wollen Designer diesen Sommer in Mode verwandeln. Frottee, auch bekannt als Terry Cloth oder Towelling, ist der Stoff der Saison 2026, und er kommt nicht aus dem Badezimmer, er kommt vom Laufsteg.
Leinen, das ewige Sommermaterial mit seinen romantischen Knitterfalten, muss sich dieses Jahr warm anziehen. Frottee übernimmt die Führung. Und nein, das ist kein Scherz.
Das Wichtigste
- Ein Stoff, der normalerweise nur im Badezimmer zuhause ist, wird zum Star der Sommersaison 2026
- Frottee kann etwas, das Leinen nicht kann — und es hat mit Feuchtigkeit und Mühlosigkeit zu tun
- Von Sean Connery bis zu den aktuellen Runway-Shows: Eine textile Liebesgeschichte feiert ihr Comeback
Von der Badeliege auf den Laufsteg, eine Karriere in Etappen
Lange war Frottee das, was man mit Handtüchern und Bademänteln verband, keinesfalls mit alltagstauglicher Mode. Doch der Frottee-Trend kam überraschend: Nachdem der Stoff auf den Frühjahr/Sommer-Schauen 2021 bei Bottega Veneta und The Row auf dem Laufsteg auftauchte, war klar, dass er Kultstatus bekommen würde.
Towelling in seiner modernen Form entstand bereits 1850, als der englische Handtuchhersteller Christy einen Weg fand, den Schlingenstoff industriell zu produzieren. Jenseits des Badezimmers fand das Material nach dem Zweiten Weltkrieg Beliebtheit bei Urlaubern, für Polos, Resorthemden und poolseitige Looks. Und dann, in einem der schönsten Momente der Filmgeschichte: Sean Connery tauchte in Goldfinger in einem Baby-Blue-Playsuit aus Frottee auf — das war der Stoff auf dem Höhepunkt seines Glanzes.
Fünf Jahrzehnte später wiederholt sich die Geschichte. Nur selbstbewusster. Und deutlich luxuriöser.
Was Frottee kann, was Leinen nicht kann
Hier kommt die Überraschung, die alle Leinenliebhaberinnen überdenken lässt: Frottee ist unübertroffen in seiner Fähigkeit, Feuchtigkeit vom Körper wegzuleiten, damit ist es der perfekte Sommerbegleiter. Seine strukturierte Oberfläche hat eine wunderbar weiche, haptische Qualität und wird zum stilistischen Canvas für die verschiedensten Silhouetten.
French Terry ist das flauschige Baumwollgewebe, das Leichtigkeit, Komfort, Textur und Funktionalität in sich vereint, und damit das ideale Stoff für einen entspannten Sommer. Es ist sowohl hochsaugfähig dank der Baumwollschlaufenkonstruktion als auch schnell trocknend — Eigenschaften, die es zu einem exzellenten Begleiter am Pool machen. Leinen knittert beim Hinsetzen. Frottee bleibt, wie er ist. Das Ergebnis: mühelos.
Der Begriff „Terry Cloth“ leitet sich vom französischen Wort tirer ab, was „ziehen“ oder „herausziehen“ bedeutet und sich auf die Webtechnik bezieht. Die gebräuchlichste Variante ist French Terry, meist aus 100 % Baumwolle gewebt, mit einer glatten Seite und einer Seite mit charakteristischen Schlaufen, die gegen die Haut getragen wird.
Designer entdecken das Potenzial neu
Diese Qualitäten sind auch den Modedesignern nicht verborgen geblieben: Nahezu jede renommierte Marke hat in dieser Saison eine Resortwear-Linie entwickelt, in der Frottee eine tragende Rolle spielt. Das Spektrum ist dabei breiter als je zuvor.
Der Frottee-Blazer ist ein Meisterstück stilvollen Erfindungsreichtums, er bewegt sich mühelos zwischen formellen und lässigen Sphären und verkörpert die Vielseitigkeit des Stoffes in einer einzigen, eleganten Silhouette. Auch das kubanische Kragenshirt, normalerweise Baumwolltwill oder Leinen vorbehalten, wird neu interpretiert: Die Fusion des zeitlosen Schnitts mit dem Komfort von Frottee verleiht dem Vintage-Silhouett eine frische, moderne Energie.
Matthieu Blazy setzte bei seiner Cruise 2026/2027-Kollektion für Chanel auf Surfer-Girl-Chic, präsentiert in Biarritz, mit lässigen Strickteilen, XL-Strohaccessoires und Retro-Badekapppen. Die Verbindung von Frottee mit maritimen Codes ist dabei kein Zufall: Das Material erzählt von Sommerfrische, von Salz auf der Haut, von diesem Moment zwischen Pool und Bar, wo man eigentlich gar nichts braucht außer dem richtigen Stoff.
Ein gestreifter Bandeau-Romper aus weichem Frottee etwa fängt den sorglosen Geist der Y2K-Strandkultur perfekt ein. Genau diese Energie zieht sich durch die Kollektionen dieser Saison: Nostalgie als Qualitätsmerkmal, nicht als Rückschritt.
Wie man Frottee trägt, und warum die Textur entscheidet
Frottee ist ein Stoff, der weiterhin an Popularität gewinnt, dank seines außergewöhnlichen Komforts und seiner feuchtigkeitsabsorbierenden Eigenschaften. Es ist die perfekte Wahl für die Sommermonate, wenn man zwischen Strand und Bar wechselt und etwas braucht, das in beiden Welten funktioniert.
Konkret bedeutet das: Frottee-Shorts lassen sich mit Tees, gestrickten Polos oder kurzärmeligen Cuban-Collar-Shirts kombinieren und erzeugen dabei eine mühelos entspannte Sommeratmosphäre. Für einen ausgefeilteres Look empfiehlt sich ein Frottee-Hemd mit schmalem Baumwollchino, die Textur verleiht dem Outfit eine zusätzliche Dimension, ob elegant oder entspannt.
Zu den wichtigsten Triebkräften des Trends zählen gestiegene Nachfrage im Luxussegment, nachhaltigkeitsorientierte Produktion und eine wachsende Verwendung in Athleisure-Kollektionen. Europa setzt dabei besonders auf ethische Produktion und handwerkliche Qualität. Bio-Baumwolle, GOTS-zertifizierte Materialien, nachhaltige Färbemethoden : Frottee kommt 2026 nicht nur gut an, er kommt auch gut vorbereitet.
Die Farben der Saison folgen der Logik des Stoffes: weiche Erdtöne, cremige Neutrals, das gedämpfte Türkis eines Hotelpools in Südfrankreich. Die Pastelltöne von 1970er-Jahre-Pool-Partys in den USA und europäischem Resortwear-Stil haben Marken inspiriert, Kollektionen aus Strandplaysuits, Shorts und Tees zu entwickeln. Das Ergebnis ist eine Ästhetik, die zwischen Vintage-Kodachrome-Foto und zeitgenössischem Quiet Luxury schwebt.
Frankly: Wer diesen Sommer noch nach dem perfekten Leinenkleid sucht, sollte kurz innehalten. Frottee bietet mehr Textur, mehr Funktionalität, mehr Charakterstärke. Und vielleicht ist das Interessanteste an diesem Trend nicht, dass er aus dem Handtuch kommt, sondern dass er uns daran erinnert, wie viel Eleganz im Unerwarteten stecken kann.
Die eigentliche Frage bleibt: Welcher Stoff löst ihn ab? Was kommt nach dem Frottee?
Sources : fashionunited.de | robbreport.com